Königsbrunn - 50 Jahre Stadterhebung

Ein kleiner Auszug: „Mir Lumpenbacherwerden Stadt“

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Der 23. Juni 1967: Innenminister Dr. Bruno Merk (links) bei der Übergabe der Urkunde zur Stadterhebung an Fritz Wohlfarth.
Die Königsbrunner hatten seit der Ortsgründung – offiziell wird diese auf 1842 datiert – in der Umgebung nicht den besten Ruf, schließlich waren fast alle Siedler mit weltlichen Gütern nicht reichlich gesegnet und die Gemeinde zählte zu den ärmsten in Bayern. Dies hatte sich durch die von Fritz Wohlfarth angestrebte Bodenpolitik inzwischen geändert. Die Bauern konnten dadurch, dass sie für einen Quadratmeter Landverkauf drei oder vier Quadratmeter Ackerland bekamen, entweder also ihre Landwirtschaften vergößern oder sich Eigenkapital für ein anderes selbständiges Gewerbe beschaffen.

Aber auch sonst war gerade durch die Bodenwertsteigerung ein gewisser Wohlstand in der Gemeinde Königsbrunn eingekehrt. Bei Fritz Wohlfahrts Umgang mit den anzusiedelnden Gewerbetreibenden und Unternehmern glaubte er, festgestellt zu haben, dass der Name „Stadt“ als Absender hier eine bessere Wirkung hat, als wenn ein Schreiben von einer „Gemeinde“ kommt. Es war auch sicherlich ein optischer Unterschied, ob jemand in der Gemeinde Königsbrunn das Gymnasium besucht oder in der „Stadt“ Königsbrunn. Aus diesen Gründen war Wohlfahrts Bestreben, den Titel oder die Bezeichnung „Stadt“ zu bekommen, obwohl damit keinerlei Mehreinnahmen oder sonstige Vorteile verbunden waren.

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Begeisterung: Natürlich fand zur Stadterhebung auch ein großer Umzug statt – bei bestem Wetter. Unzählige Zuschauer säumten den Straßenrand.
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Ausgelassen: Noch nie wurde in Königsbrunn bis dato in einem größeren Bierzelt gefeiert. Damals gab es sogar den ersten Vergnüngungspark.
Die Tatsache, dass Königsbrunn Stadt werden sollte, machte natürlich auch die Königsbrunner stolz. Man hörte des Öfteren, dass der Satz die Runde machte: „Mir Lumpenbacher werden Stadt“ (Der Name Lumpenbacher hat sich deshalb herausgebildet, weil eben die Gründerväter und ersten Bewohner Königsbrunns unter sehr ärmlichen Verhältnissen leben und sich ernähren mussten. Er taucht bereits in den Protokollen der Nachbargemeinden aus der Gründerzeit auf). Und diese Freude und dieser Stolz auf die Stadtwerdung drückte sich auch in den ganzen Feiern aus. Fast alle Häuser wurden nach Aufruf geschmückt, die ganze Bevölkerung jubelte und feierte die Stadtwerdung.

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Plakat 1967: So machte Königsbrunn auf sein Fest aufmerksam.
Die „Gautsch“ war geboren

Die Stadterhebung war eigentlich das erste größere Fest, das je in Königsbrunn gefeiert wurde. Bisher gab es zwar schon gelegentlich Vereinsjubiläen oder Ähnliches, aber dort war nie ein so großes Bierzelt mit Vergnügungspark. Und an der Begeisterung und Freude des Mitfeierns konnte man erkennen, dass ein echter Bedarf vorhanden war. Deshalb wurde man sich im Rat einig, dass dieses Fest zur Stadterhebung jedes Jahr im Juni, zur Zeit, wenn die Sonne am höchsten steht, wiederholt werden sollte. Es sollte deshalb einen Namen bekommen. Fritz Wohlfarth hatte gewissen Vorstellungen über den Namen, der nicht unbedingt in Verbindung mit dem Ortsnamen stehen musste. Er sollte kurz und einprägsam sein. Aus diesem Grund wurde ein Namenswettbewerb veranstaltet. Gewonnen hat ihn Professor Udo Nickles, der vorschlug, dieses Fest „Gautsch“ zu nennen (von „gautschen“ mit dem Stuhl oder „Gautsch“, die Gesellentaufe der Buchdruckerlehrlinge). Er hat damit ein gutes Beispiel von persönlicher Mitarbeit an einem Gemeinwesen gegeben.

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24. Juni 1967: Gefeiert wurde neben der Stadterhebung auch die Einweihung des neuen Rathauses. Bei der Grundsteinlegung am 22. Juni 1966 schwang Bürgermeister Fritz Wohlfarth den Hammer. 
Fotos: Stadtarchiv
Mit den Stadterhebungsfeierlichkeiten wurde auch das neue Rathaus eingeweiht.

(Auszug aus dem Buch „Fritz Wohlfarth – Noch ein Stück von mir...Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie mich oder den Teichner).


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