Ambitionen statt Underdog

Saisonstart / Der FCA hat nach einer gelungenen Vorbereitung hohe Ambitionen für die neue Saison. Nur die Personalsituation trübt das Gesamtbild noch.

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Heiko Löbhard

Selten spielte der FC Augsburg eine bessere Saisonvorbereitung als diesen Sommer. Lediglich zwei von sieben Testspielen verlor die Elf von Cheftrainer Manuel Baum, denkbar knapp gegen Borussia Mönchenglad- bach und Bilbao. Auf der Habenseite stehen hingegen Siege unter anderem gegen die englischen Vertreter Middlesbrough und Newcastle.

In den beiden Trainingslagern in Mals (Italien) und Längenfeld (Österreich) wurde neben den körperlichen Grundlagen vor allem an der Variabilität und Flexibilität im Offensivspiel gearbeitet. Besonders Tempo und Zielstrebigkeit im Umschaltspiel, das die Spielphilosophie des FCA seit Jahren aus- zeichnet, standen im Fokus.

Defensive Dreier- und Fünferkette

Dabei soll auch in der neuen Saison das bewährte 4-2-3-1 System die Grundlage des Augsburger Spiels sein. Aus dieser Ordnung heraus möchte der FCA je nach Spielsituation und Gegner variabel reagieren. Wie schon zum Ende der vergangenen Saison dürfte dabei vor allem die defensive Dreier- beziehungsweise Fünferkette häufiger zum Einsatz kommen. Ein Umstand, der auch erklärt, warum sich der FCA im Sommer nicht zusätzlich auf den Außenverteidigerpositionen verstärkte. Neben den bewährten Kräften wird diese Rolle mittlerweile auch dem gelernten Offensivmann Jonathan Schmid zugetraut.

Nach der Verletzung von Raphael Framberger hatte Schmid schon in der vergangenen Saison in der Abwehr ausgeholfen und dabei einen positiven Eindruck hinterlassen, der ihm nun zu noch mehr Spielzeit verhelfen könnte. Hinzu kommt die Gefährlichkeit des Franzosen bei Standards, zu beobachten unter anderem im Testspiel gegen die Würzburger Kickers, als er einen Freistoß direkt un- ter die Latte zirkelte.

FCA Spielplan Saison 2018/2019
Führungsspieler äußern Ambitionen

Verändern soll sich im Vergleich zu letztem Jahr unterdessen die Zielsetzung des Vereins. Im achten Jahr Bundesliga darf es nicht mehr primär darum gehen, gegen den Abstieg zu spielen, so zumindest der Wunsch einiger Führungsspieler. Im Trainingslager in Mals untermauerte besonders Abwehrchef und Ersatzkapitän Jeffrey Gouweleeuw seine Ambitionen beim FCA. Die Fuggerstädter seien kein Underdog mehr und wollen mehr erreichen als nur den Klassenerhalt. Schon letzte Saison sei mehr als der zwölfte Tabellenplatz möglich gewesen, so der Niederländer. Ähnliche Aussagen tätigte auch Alfred Finnbogason, der in Russland das erste WM-Tor Islands bei einer Endrunde überhaupt erzielte und mit großem Selbstvertrauen nach Augsburg zurückkehrte.

Den Grundstein für eine ambitioniertere Zielsetzung hat Manager Stefan Reuter mit der Kaderplanung bereits früh gelegt. Während die Defensive bereits in der Vergangenheit eine der Stärken des Teams war, wurde nun vermehrt in die Offensive investiert. Besonders gegen tief stehende Mannschaften offenbarte die Truppe von Manuel Baum in der Vergangenheit immer wieder Probleme, das Spiel zu gestalten und zu Torabschlüssen zu kommen. Ein Grund dafür war auch die fehlende qualitative Tiefe auf den Offensivpositionen.

Einige Blessuren

Ein Problem, das nun unter anderem durch die Verpflichtungen der vielseitigen Angreifer André Hahn und Fredrik Jensen sowie von Mittelstürmer Julian Schieber angegangen wurde. Zudem hinterließ Sturmtalent Sergio Córdova trotz einiger Blessuren in der Vorbereitung einen starken Eindruck und könnte eine größere Rolle einnehmen als noch in der vergangenen Saison, in der ihm nur zwei Pflichtspieltreffer gelangen.

Beeinträchtigt wurde die Vorbereitung indes durch eine Vielzahl von, wenn teils auch nur kurzfristigen, Ausfällen potentieller Startelfkandidaten. Während Flügelflitzer Caiuby das erste Trainingslager in Mals aufgrund eigenmächtig verlängerten Urlaubs komplett verpasste, kämpften unter anderem Martin Hinteregger, Fredrik Jensen, Simon Asta oder Sergio Córdova immer wieder mit Verletzungen und kleineren Blessuren und konnten deshalb nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen. Neuzugang Julian Schieber und Mittelfeldallrounder Jan Moravek reisten hingegen gar nicht erst mit ins zweite Trainingslager.

Starker Kader

Die beiden WM-Fahrer Ja-Cheol Koo und Alfred Finnbogason hinterließen beim Turnier in Russland zwar einen guten Eindruck, stießen nach Sonderurlaub dafür aber erst verspätet zum Team. Zudem zogen sich beide leichte Blessuren zu und fielen damit unter anderem beim abschließenden Testspiel gegen Newcastle aus.

Insgesamt plagte sich rund ein Drittel des 30 Mann starken Kaders im Verlauf der Vorbereitung mit Verletzungen. Ob der damit verbundene Trainingsrückstand bis zum Pflichtspielstart im DFB-Pokal bei Regionalligist TSV Steinbach und zum Ligastart in zwei Wochen aufgeholt werden kann, bleibt abzuwarten.

Möchte der FC Augsburg seinen eigenen, höheren Ambitionen allerdings gerecht werden, ist ein guter Saisonstart unerlässlich. In den ersten vier Partien treffen die Fuggerstädter neben Fortuna Düsseldorf auf Borussia Mönchengladbach, den 1. FSV Mainz und Werder Bremen.

Nach diesen vier Spielenwird man zumindest erahnen können, ob die neustrukturierte Offensive die Erwartungen erfüllen und der FC Augsburg diese Saison höheren Zielen gerecht werden kann, als nach dem Klassenerhalt zu streben.
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