65 Jahre Stadt Schwabmünchen

Das Wahrzeichen der Stadt

Hintergrund II

Die heutige Kirche ist größer als die alte, womit den Bedürfnissen der stark angewachsenen Pfarrgemeinde Rechnung getragen wurde. Foto: Schönthier
Die heutige Kirche ist größer als die alte, womit den Bedürfnissen der stark angewachsenen Pfarrgemeinde Rechnung getragen wurde. Foto: Schönthier
Die Pfarrkirche St. Michael hat eine lange Geschichte hinter sich, bis das Gotteshaus in der heutigen Form entstanden ist. Ohne Zweifel ist die Kirche schon seit Jahrhunderten das Wahrzeichen der Stadt. Im Jahre 953 wird Schwabmünchen zum ersten Mal urkundlich als „Castellum quod dicitur Matahinga“ erwähnt. Bischof Ulrich fand hier Zuflucht.

Die Pfarrei dürfte schon im 10. Jahrhundert entstanden sein. Von der ersten Kirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen die Untergeschosse des Turmes aus spätromanischer Zeit. Schon der gewählte Kirchenpatron lässt auf ein hohes Alter der Kirche und der Pfarrei schließen. Man suchte seinerzeit Heilige aus, die man den heidnischen Göttern gegenüberstellen konnte, wie eben den kämpferischen Erzengel Michael.

„Das göttliche Weltgericht“

In den Jahren 1614/17 erfolgte der Umbau zu einer dreischiffigen Anlage durch den Werkmeister Jakob Aschenberger, 1688 wurde der Chorraum umgestaltet und stuckiert. Kurz nach 1800 hat man die Decke im Langhaus erhöht und neue Pfeiler eingestellt.

Durch den Maler Ferdinand Wagner entstand das monumentale Deckengemälde „Das göttliche Weltgericht“ (12,6x9,5 Meter groß; Jahr: 1855). Der Original-Bleistiftentwurf ist im Museum zu sehen.

Ferdinand Wagner, ein Schwabmünchner Kind, war als Kirchenmaler in allen Teilen seiner schwäbischen Heimat und in Altbaiern tätig. Schon mit 15 Jahren war er nach München gegangen, um an der dortigen Kunstakademie eine solide Ausbildung zu erhalten. Während der Zeit seiner Ausbildung wurde er vor allem von zwei Maler-Persönlichkeiten entscheidend beeinflusst: vom Direktor der Akademie, Peter von Cornelius, und von seinem Lehrer, Professor Joseph Schlotthauer.

Schon sehr früh hatte sich gezeigt, dass Ferdinand Wagner über ungewöhnliches zeichnerisches Talent verfügte. 1876 schließlich vollendete er seine Arbeit an sechs weiteren Freskogemälden, die sechs Strafgerichte darstellen, nämlich „Die Sünden der ersten Menschen“, „Die Sintflut“, „Sodom und Gomorrha“, „Die Sünden der ganzen Welt oder Jesu Tod“, „Jerusalem und das Judentum““, und „Das Heidentum“.

Bomben nach dem Frühgottesdienst

Am Sonntag, 4. März 1945, wurde bei einem Bombenagriff auf Schwabmünchen nach dem Frühgottesdienst die Kirche getroffen. Bis auf den Turm brannte sie komplett ab, zahlreiche Kunstschätze gingen verloren. Nur wenige Minuten dauerte der Angriff – für die Stadt Schwabmünchen die drei schrecklichsten und längsten Minuten in ihrer Geschichte. Zwischen 10.33 Uhr und 10.38 Uhr läuten jährlich die Glocken, um an den fürchterlichen Bombenangriff zu erinnern.

Unter großer Mithilfe der Bevölkerung begann dann 1947 der Bau der neuen Kirche nach den Plänen des Architekten Thomas Wechs sen. Fleißige Hände räumten den Schutt aus den Ruinen. Vornehmlich Frauen waren es, die brauchbare Steine aus den Trümmern holten und diese säuberten. Die Frauenkapelle musste in dieser Zeit als Ersatzkirche für die ganze Kirchengemeinde dienen.

Am 24.12.1949 konnte die neu entstandene Kirche durch Bischof Freundorfer geweiht werden. Größer war sie als die Alte. Mit einer Länge von 41 Metern und einer Breite von 22 Metern geht das Schiff nach Westen bis zur Luitpoldstraße, somit wurde den Bedürfnissen der stark angewachsenen Pfarrgemeinde Rechnung getragen. In der Heiligen Nacht 1949 wurde erstmals ein feierliches Amt in der neuen Kirche zelebriert.

Aber noch war das Innere nicht endgültig. Im Jahr 1968 wurde der Altarraum nach Plänen des Architekten Egon Kunz neu gestaltet. Dabei waren die Fenster im Chorraum zugemauert worden und große Teile der Gemälde von Prof. Bernhard entfernt. Das von Lorenz Luidl um 1700 geschnitzte Kruzifix hat den Brand der Kirche an der Außenseite der Mauern überstanden. Es ist auch das einzige Stück, das übrig geblieben ist. So war das größte und schwierigste Aufbauwerk Schwabmünchens vollendet.

Die Tageszeitung vom 24. Dezember 1949 bringt es auf den Punkt: „So legt der Bau Zeugnis ab, dass uns die Not der Zeit nicht in engen Egoismus trieb, sondern unsere Herzen weit machte und uns zu einer solchen gewaltigen Gemeinschaftsleistung befähigte. Wir dürfen besonders stolz sein, weil dies unseres Wissens die Erste der total zerstörten Kirchen in der Diözese ist, in welcher der Priester wieder, das „Ad Altare Dei“ betend, an die Stufen des Altars tritt.“

Mehrere kleine Kapellen und Nischen geben der Kirche ihren besonderen Reiz und ermöglichen eine vielfältige Nutzung. Am Pfingstfest 1999 konnte die neue Eule-Orgel eingeweiht werden. Sie erklingt nicht nur zu den Gottesdiensten. Bei zahlreichen Konzerten mit namhaften Organisten aus der ganzen Welt wurde die Leistungsfähigkeit und das breite Klangspektrum der Orgel den Besuchern zu Gehör gebracht.

Seit über zehn Jahren lenkt Stadtpfarrer Klaus Ammich nun die GE-schicke der Schwabmünchner. Er sagt zur Kirche mitten in der Stadt: „Wir sind in unserem Leben nie alleine. Gott wohnt mitten unter uns.“ (Christine Hornischer)

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