65 Jahre Stadt Schwabmünchen

Die Wiege Schwabmünchens

Rückblick & Hintergrund I

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Das Alter eines Ortes richtet sich nach der ersten schriftlichen Erwähnung. In der Vita des Bischofs Ulrich von Augsburg finden wir den Hinweis, dass er sich im Jahr 954 in das „Castellum Mantahinga“ zurückzog. Das war, für die damalige Zeit üblich, eine mit Holzpfählen gesicherte Festung. Wo stand diese? Nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse lag ihr Standort nahe der Singold, etwa da, wo heute die Geyerburg steht. Der Historiker Dr. Joachim Jahn hat im Jahr 1983 auf Beschluss des Stadtrates das Buch „Schwabmünchen – Geschichte einer schwäbischen Stadt“ herausgebracht und bei seinen intensiven Recherchen den möglichen Standort ermittelt.

Der Name „Mantahinga“ ist zurückzuführen auf den Namen der alemannischen Sippe des Mantigo und ist Ursprung und Basis für die weitere Entwicklung der Ortsbezeichnung, hin bis zum heutigen Namen „Schwabmünchen“. Die Gründe der Veränderung sind vielfältig. Man findet sie in Schreib- oder Hörfehlern wie auch in dialektischen Auslegungen.

Ziel eines Angriffs

So wird im Jahr 1059 berichtet, dass der Ort „Mantichingen“, also schon eine Abwandlung von „Mantahinga“, erobert und niedergebrannt wurde. 1168 wurde der Besitz des Hochstiftes Augsburg von Papst Urban bestätigt. Unter anderem findet man hier auch den Ort „Mantechingen“. 1208 war Schwabmünchen abermals Ziel eines Angriffs. Diesmal waren es die Augsburger Bürger, die den Ort aus dem Besitz des Hochstiftes herausnehmen wollten. Von der nahen Feste Schwabegg aus gingen sie gegen den bischöflichen Besitz in „Menchingin“ vor.

Im 12. und 13. Jahrhundert tauchen öfters Familiennamen auf, die ihren Ursprung im Ort „Mänchingen“ oder „Mantichingen“ haben. 1441 erhielt der Ort den „Dorfbrief“, in dem die bischöfliche Verwaltung die Rechte und Pflichten – mehr Pflichten – der Bürger und der sie verwaltenden Rechtsaufsicht festlegte. In diesem Brief wird der Ort, das war nun offiziell, mit „Menchingen“ betitelt. Aus diesem Menchingen wurde ein „Münchingen“. Man darf davon ausgehen, dass der sich immer ändernde Ortsname im Sprachgebrauch nie einheitlich benutzt wurde. Es gab zeitliche Überschneidungen über Generationen hinweg.

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Da es in der Region zwei Orte mit dem Namen Menchingen gab, nämlich das heutige Schwabmünchen und das heutige Merching jenseits des Lechs, setzte sich im 14. Jahrhundert für Merching die Bezeichnung „Bayermerching“ durch. Zur Unterscheidung der beiden Ortsnamen wurde für Schwabmünchen das Präfix „Schwaben“ verwendet. Bereits im Jahr 1439 war von einem „Dorf zu Schwabmunchingen“ die Rede. 1507 findet man die Ortsbezeichnung „Swabmenchingen“. Da half also keine höchstbischöfliche Anordnung, die Bürger sprachen, wie es ihnen genehm war.

Die Ortsbezeichnung „Schwabmünchingen“ hielt sich lange. Es brauchte seine Zeit, bis der heutige Name Schwabmünchen eingebürgert war. Wie sehr sich gerade die frühere Bezeichnung Menchingen im Volksmund verankerte, zeigt das Beispiel, dass heute noch von den „Menkingern“, also von Leuten aus Menchingen gesprochen wird. Wieder eine rein dialektische Abwandlung.

Eine Römersiedlung

Viele Heimatforscher haben sich im Lauf der Jahrhunderte mit der Frage auseinandergesetzt, wo sich die Anfänge der Siedlung des späteren Schwabmünchen befand. Ohne den Idealismus und ehrenamtlichen Einsatz von Bürgern wäre eine Lokalisierung nicht so schnell und fundiert möglich gewesen. Einer von ihnen war der unvergessene Hermann Kuntz. Er war unermüdlich unterwegs, suchte und fand: Auf den Äckern und Feldern am nördlichen Ortsrand wurde Kuntz fündig. Es waren Tonscherben, Münzen und auch größere Bruchstücke. Beim Umackern kamen sie ans Tageslicht. Kuntz barg sie und gab diese ins Museum. Schließlich interessierten sich die Verantwortlichen vom Landesamt für Denkmalpflege dafür und gemeinsam kam man zu dem Ergebnis, dass sich auf diesem Gebiet einst eine Römersiedlung befunden haben müsse.

Tatsache ist auch, dass vor rund 2000 Jahren die Siedlung RAPIS in der römischen Weltkarte verzeichnet war und genau auf den Standort bei Schwabmünchen hinwies. Umfangreiche Grabungen in der Zeit von 1978 bis 1987 bestätigten die Version von Kuntz und darüber hinaus wurde festgestellt, dass sich am gleichen Platz vor den Römern hier eine keltische Siedlung befand.

Kein Wunder, dass sich lange Zeit die Meinung hielt, hier wäre die Wiege Schwabmünchens gestanden, wären die den Römern nachgefolgten Alemannen nicht gewesen. Diese siedelten sich weiter südlich an und hier setzte die Arbeit des Historikers Dr. Jahn an, der, wie erwähnt, den Standort Geyerburg an der Singold lokalisierte.

Oftmals wird gefragt, ob der Name Schwabmünchen etwas mit unserer Landeshauptstadt München zu tun hat. Nein, ein Zusammenhang besteht nicht und wäre auch nicht möglich, ist doch Schwabmünchen einiges älter als München.

Und was gibt es noch zur Geschichte zu sagen? Kaiser Ferdinand I. verlieh nach lokalhistorischer Überlieferung im Jahr 1562 der Stadt das Marktrecht und Marktwappen. Unter bayerische Herrschaft kam Schwabmünchen dann in den Jahren 1804/06 und wurde Sitz des Landgerichts.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte mit dem Bau der Eisenbahnlinie Augsburg-Lindau (1847) und der Errichtung einer Schranne (Getreidemarkt, 1855) ein. Dieser dokumentierte sich unter anderem im Bau von Schulen und eines neuen Krankenhauses (1899/1900).

Im Jahr 1900 wurde die Marktgemeinde Sitz des Bezirksamts Schwabmünchen (später Landkreis Schwabmünchen). Der Landkreis reichte im Süden bis Schwabmühlhausen, er umfasste im Norden Königsbrunn, Bobingen und im Osten Untermeitingen. Westlich reichte er bis weit in die Stauden hinein.

Am 4. März 1945, also kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde Schwabmünchen von einem schweren Fliegerangriff heimgesucht, welcher über 60 Todesopfer forderte. Die Stadt wurde etwa zu einem Viertel total zerstört und zu zwei Dritteln schwer beschädigt. Der Angriff galt, neben Bahnhof, Schienen und anderen Transportwegen, den ortsansässigen Ziegeleien und vor allem dem Gebäude der ehemaligen Weberei Holzhey. In die Hallen der Weberei hatte die Messerschmitt AG nämlich eine Teileproduktion für die ME 262, das erste und bis dahin einzige Kampfflugzeug mit Düsenantrieb, verlegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schnellte die Bevölkerungszahl durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen rund um die Hälfte hoch, wodurch sich auch die Wirtschaftskraft Schwabmünchens erhöhte. Dieser Entwicklung trug der bayerische Staat dadurch Rechnung, dass er den Markt 1953 zur Stadt erhob. Mit der Landkreisreform 1972 verlor Schwabmünchen seinen Landkreis und wurde in den neu gebildeten Landkreis Augsburg eingegliedert. Neben dem Kreissitz gingen auch wichtige Behörden und Einrichtungen verloren, die die Zentralität der Stadt unterstrichen hatten.

Mit den 1978 eingeliederten vier Gemeinden Birkach, Klimmach, Mittelstetten und Schwabegg zählt Schwabmünchen mittlerweile über 14 000 Einwohner.

Das Mittelzentrum Schwabmünchens verfügt heute über die einschlägigen zentralörtlich bedeutsamen Einrichtungen. Es ist eine ausgewogene Mischung zwischen landwirtschaftlichen, gewerblichen und industriellen Betrieben gegeben – in wirtschaftlicher Hinsicht. Nicht nur wegen seiner hervorragenden medizinischen und schulischen Infrastruktur ist Schwabmünchen für Familien als Wohnort interessant. Mit dem größten kommunalen Kunst- und Kulturgeschichtsmuseum des Landkreises, der städtischen Galerie und Stadthalle, dem Stadtpark mit seinen alten Baumbeständen, den zahlreichen Wanderwegen, dem Warmwasserfreibad „Singoldwelle“ und dem waldreichen Naherholungsgebiet „Stauden“ bietet die Stadt einen hohen Wohn- und Freizeitwert.

Der goldene Reichsapfel

Und das Wappen? Schwabmünchen wurde erstmals ein eigenes Wappen mit Verleihung des Marktrechts im Jahre 1562 verliehen. Allerdings sind Dokumente aus der damaligen Zeit laut eines Schreibens des Marktmagistrats vom 26. Juli 1831 an das Königliche Landgericht im Jahre 1800 verbrannt.

Man weiß durch Siegelabdrucke des 18. Jahrhunderts und durch eine farbige Zeichnung aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, dass der Markt Schwabmünchen damals ein eigenes Wappen führte. Es wurde ein sogenanntes Gemarkungszeichen dargestellt, welches später wegen der ungefähren Ähnlichkeit als „Reichsapfel“ gedeutet wurde. Im jungen Königreich Bayern wurde diese Deutung aber dem Marktsymbol zum Verhängnis, denn ein Hinweis auf Sinnbilder des alten Reiches wurde als anstößig und politisch nicht tragbar empfunden. Der „Reichsapfel“ wurde deshalb nach dem Vorschlag des Heroldsamtes zertrennt und am 17. November 1818 ein neues Wappen mit folgender Beschreibung verliehen: „Geteilt; oben in Rot ein schwebendes goldenes Kreuz, unten in Silber eine blaue Kugel.“ Die Farben Silber und Blau weisen auf die Zugehörigkeit Schwabmünchens zu Bayern hin. Durch die Farbengebung wollte man die Zugehörigkeit zu Bayern zum Ausdruck bringen.

Zu einer Wappenänderung entschloss man sich schließlich nach der am 6. Mai 1953 erfolgten Erhebung des Marktes Schwabmünchen zur Stadt. Die heute unzulässige Mauerkrone aus dem seit 1831 geführten Wappen sollte dann gleichzeitig entfernt werden. Als einzig mögliche Lösung erschien sowohl dem Stadtrat wie auch der Fachbehörde eine Rückkehr zum ursprünglich geführten Wappen.

Die Beschreibung des heutigen Wappens lautet: „In von Rot und Silber geteiltem Schild ein Gemarkungszeichen in Form eines Reichsapfels (mit goldenem Kreuz und einer blauen Kugel mit goldenem Reif)“. (Elmar Pfandzelter/sos/Stadt Schwabmünchen)

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