Wieder Geschafft!

Eine Saison wie eine Achterbahnfahrt

RÜCKBLICK / Der FCA startete so gut wie nie in der Vereinshistorie in die Saison. Trotzdem musste er lange um den Klassenerhalt bangen.

Beim 3:2 Erfolg im DFB-Pokal gegen Mainz 05 war die Welt des FCA noch in Ordnung. Fotos: Alexander Heinle
Beim 3:2 Erfolg im DFB-Pokal gegen Mainz 05 war die Welt des FCA noch in Ordnung. Fotos: Alexander Heinle
Heiko Löbhard  

Augsburg. Eigentlich hatten sich die Spieler des FC Augsburg für diese Saison hohe Ziele gesteckt. Nach dem letztjährigen zwölften Tabellenplatz wolle sich die Mannschaft höheren Ambitionen widmen. Nicht mehr nur der Klassenerhalt sollte dieses Jahr im Fokus stehen, der Blick dürfe ruhig auch mal auf die obere Tabellenhälfte gerichtet werden. So lauteten zumindest die forschen Ansagen, die die FCA-Führungsspieler Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason im Sommer Richtung Konkurrenz schickten. Knapp zehn Monate später spielt der FC Augsburg zwar immer noch erstklassig, die eingangs geäußerten Ambitionen zerschlugen sich dabei jedoch schnell und unsanft.

Dabei hatte die Bundesliga-Saison 2018/19 für den FC Augsburg vielversprechend begonnen. Nach dem Weiterkommen im Pokal gelang dem FCA zum ersten Mal in seiner achtjährigen Ligazugehörigkeit ein Auftaktsieg zum Start in die Saison.

Stadt Augsburg

Vielversprechender Start in die Saison

Mit 2:1 gewann die Elf von Trainer Manuel Baum bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Doch sinnbildlich für die noch lange Saison entflammte an den folgenden Spieltagen bereits das erste Störfeuer im beschaulichen Bayrisch-Schwaben. Nach wiederholten, schweren Patzern musste Torhüter Fabian Giefer am fünften Spieltag auf die Bank. Andreas Luthe, der für viele überraschend das Duell um den Platz im Tor gegen Giefer verloren hatte, wurde ausgerechnet im Spiel gegen Meister Bayern München ins kalte Wasser geschmissen.

Der Routinier nutzte seine Chance und hielt beim 1:1 in München überragend. Die scheinbar neue Sicherheit im Tor gepaart mit dem folgenden, souveränen 4:1 Sieg gegen den SC Freiburg ließ Fans und Spieler von einer Saison träumen, die die forschen Ansagen womöglich mit Leben füllen könnte. Und auch die folgenden Spiele machten Mut. Zwar musste sich der FCA in einem der hochklassigsten Spiele der Saison mit 3:4 gegen Borussia Dortmund geschlagen geben, zeigte wie beim anschließenden 0:0 gegen RB Leipzig und 2:1 gegen Hannover aber das Potenzial, auch gegen auf dem Papier stärkere Gegner spielerisch mithalten zu können. Und auch im Pokal blieb der FCA dank eines 3:2 n.V. gegen Mainz vertreten.

Mit dem 2:2 gegen Aufsteiger Nürnberg am zehnten Spieltag begann das bis dato so schillernde Bild des einstigen Underdogs, der den Blick nun nach oben richtet, jedoch zu bröckeln.
   
Torjäger Alfred Finnbogason fehlte oft verletzungsbedingt, doch wenn er spielte, schlug der Isländer eiskalt zu.
Torjäger Alfred Finnbogason fehlte oft verletzungsbedingt, doch wenn er spielte, schlug der Isländer eiskalt zu.
Mannschaftsgefüge gerät ins Wanken

Die Partie war der Auftakt einer Serie von zehn sieglosen Spielen in Folge, die sich auch über die Winterpause hinfort erstreckte. Lediglich drei Unentschieden konnte der FCA zwischen dem zehnten und 19. Spieltag verbuchen. Doch nicht nur die sportliche Talfahrt machte den Augsburgern in dieser Zeit zu schaffen. Auch das einst so intakt scheinende Mannschaftsgefüge, in dem sich jeder Einzelne dem Erfolg des Teams unterordnete, geriet mehr und mehr ins Wackeln. Nachdem Caiuby seinen Heimaturlaub bereits im Sommer eigenmächtig verlängert und damit den ersten Teil der Vorbereitung verpasst hatte, weigerte sich der Brasilianer auch im Winter, wieder pünktlich in Augsburg zu erscheinen. Der Linksaußen strebte mit aller Macht einen Wechsel an, um näher bei seiner Familie in Brasilien weilen zu können. Letztlich wurde der Brasilianer an den Grasshoppers Club Zürich in die Schweiz verliehen – immerhin 215 Kilometer näher an seinem nun nur noch 9.616 Kilometer entfernten Geburtsort Sao Paulo als Augsburg. Den größten Aufreger lieferte jedoch Innenverteidiger Martin Hinteregger, der nach der Niederlage in Gladbach verlauten ließ, er „könne nichts Positives über den Trainer sagen“. Eine offene Kritik an Trainer Manuel Baum, die der Österreicher im Laufe der Rückrunde noch mehrmals bekräftigte.  

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Baum-Kritiker Jeffrey Gouweleeuw (links) bekommt seine Anweisungen nun von Martin Schmidt (rechts). Foto: Patrick Bruckner
Baum-Kritiker Jeffrey Gouweleeuw (links) bekommt seine Anweisungen nun von Martin Schmidt (rechts). Foto: Patrick Bruckner
Öffentliche Kritik an Manuel Baum

Statt Baum war es in der Folge aber der Österreicher, der seinen Hut nehmen musste. Auf eine vorläufige Suspendierung folgte eine Leihe nach Frankfurt, wo Hinteregger eine herausragende Rückrunde spielt.

Eine Rückkehr nach Augsburg, wo der Defensivspezialist noch bis 2021 gebunden ist, scheint mittlerweile keine Option mehr zu sein. Die Eintracht soll ebenso an einer langfristigen Verpflichtung interessiert sein wie englische Vereine.

Als Ersatz kam Reece Oxford von West Ham United per Leihe in die Fuggerstadt.

Zur Lösung der vermeintlichen Torhüterkrise lieh der FCA im Winter zudem Gregor Kobel aus Hoffenheim aus. Während Kobel den Fuggerstädtern auf dem Platz Sicherheit geben sollte, erhoffte sich der Verein mit der Verpflichtung von Ex-Nationalspieler Jens Lehmann als Co-Trainer mehr Erfahrung und Unterstützung im Trainerteam. Lehmann, der nicht gerade als Menschenfänger bekannt ist, konnte jedoch auch nicht dabei helfen, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Die Sieglosserie hat ein Ende

Auf Mut machende Ergebnisse wie den Pokalerfolg gegen Holstein Kiel und das erlösende 3:0 gegen Mainz zur Beendigung der Sieglosserie folgten desaströse Auftritte wie beim 0:4 in Bremen oder dem 1:5 in Freiburg. Auch das folgende Zwischenhoch mit 7 Punkten aus den Spielen gegen Dortmund, Leipzig und Hannover konnte jedoch nicht vermeiden, was sich schon über längere Zeit andeutete.

Die Fans feierten das 6:0 gegen den Konkurrenten im Abstiegskampf VfB Stuttgart. Foto: Valterio D’Arcangelo
Die Fans feierten das 6:0 gegen den Konkurrenten im Abstiegskampf VfB Stuttgart. Foto: Valterio D’Arcangelo
Martin Schmidt soll es richten

Nach einem 0:3 in Nürnberg, dem zugegebenermaßen respektablem Pokalaus gegen Leipzig und der 0:4 Klatsche gegen Hoffenheim musste Trainer Manuel Baum seinen Hut nehmen. Spätestens jetzt stellte sich die Frage, ob der Verlust Hintereggers im Machtkampf mit Baum nicht der sportlich weitreichendere war. Als Nachfolger Baums wurde Martin Schmidt präsentiert. Der ehemalige Mainzer und Wolfsburger verstand es, die Mannschaft mitten im tiefsten Abstiegskampf auf ihre scheinbar verloren gegangenen Stärken zu besinnen und holte nicht nur einen 3:1 Sieg in Frankfurt, sondern mit einem 6:0 im Schwabenderby gegen den VfB Stuttgart auch den höchsten Sieg in der Augsburger Bundesligageschichte. Da die Konkurrenz im Tabellenkeller unterdessen auf der Stelle trat, war der FC Augsburg bereits am 32. Spieltag gerettet, noch bevor die Mannschaft ihr eigenes Spiel auf Schalke bestritt.

Was zu einem ruhigen Saisonendspurt hätte werden können, endete jedoch in einem Desaster. Statt einem für alle erfreulichen Heimfinale verlor der FCA sein letztes Spiel vor eigener Kulisse mit 3:4 gegen Hertha BSC. Drei Gegentore nach Standardsituationen und ein vom konstant unsicheren Oxford verschuldeter Last-Minute-Elfmeter kostete die Augsburger die Feierlichkeiten im heimischen Stadion.

Noch bitterer kam es jedoch am letzten Spieltag. Beim Auswärtsspiel in Wolfsburg holte sich der FCA eine krachende 1:8 Klatsche ab. Die höchste in der Vereins-Bundesligageschichte, in deren Folge sich Trainer Schmidt genötigt fühlte, sich „vor der Liga zu entschuldigen“.

Der FC Augsburg hält sich, auch dank der schwachen Konkurrenz, für ein neuntes Jahr in der Bundesliga. Gerade der Saisonendspurt zeigte jedoch nochmals schonungslos auf, dass sich der Verein in einem personellen Umbruch befindet. So wurde es verpasst, rechtzeitig mit Linksverteidiger Konstantinos Stafylidis zu verlängern, der sich ablösefrei der TSG 1899 Hoffenheim anschließt. Und auch die Zukunft vom Kreativspieler im Mittelfeld Ja-Cheol Koo ist noch offen. Unterdessen bemüht sich der FCA um die langfristige Verpflichtung von Kobel und Oxford, die in der Rückrunde beide keineswegs den Anschein hinterließen, langfristige Lösungen auf wichtigen Positionen sein zu können.

Ob das kommende neunte Jahr Bundesliga für den FC Augsburg ein ruhigeres werden wird, hängt nun vor allem an Manager Stefan Reuter und dessen Vorgehen auf dem Sommertransfermarkt.
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