65 Jahre Stadt Schwabmünchen

Nicht mehr wegzudenken

Vom Gewerbeverein zur Werbegemeinschaft

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Die Werbegemeinschaft (WG) Schwabmünchen kann inzwischen auf eine 135-jährige Geschichte zurückblicken. Das Gewerbe selbst hat ihren Anfang gewissermaßen bereits in der Zeit, als es noch die römische Töpfersiedlung Rapis war. Die Handwerkstradition hatte über Jahrhunderte Bestand und den Chroniken lässt sich entnehmen, dass man in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bereits Zunftordnungen für verschiedene Gewerke hatte.

Nach der Gründung des Königreichs Bayern 1806 bestimmten strenge Regeln, wer einen Betrieb gründen durfte. Der zuständige Magistrat erteilte die notwendigen Konzessionen.

So konnte von einer Gewerbefreiheit nach den heutigen Maßstäben noch nicht annähernd die Rede sein. Am 1. Januar 1873 erfolgte dann der Schritt in diese Richtung, als die Gewerbeordnung für das Deutsche Reich auch im Königreich Bayern in Kraft trat. Nun traten Innungen, die als Freie oder als Zwangsinnungen gegründet werden konnten, an die Stelle der alten Zünfte. Die erste Innung im Raum Schwabmünchen war 1884 zwar die Schmiede-Innung, aber zuvor entstand der Gewerbeverein. Genaugenommen war das am 15. April 1883, als man sich im Café Egger zur Gründung der „Gesamtinnung der selbstständigen Handwerker zu Schwabmünchen“ traf. Den Grundstock bildeten 48 Mitbürger und Schreinermeister Ludwig Maurer. Der amtierende Bürgermeister wurde kommissarisch zum Vorstand bestimmt. Abgelöst wurde er später durch den gewählten Vorstand Anton de Crignis.

Die Vorstände der ehemaligen Freien Innung

Man bemühte sich von Beginn an, die Interessen der ansässigen Gewerbetreibenden zu vertreten. Sei es durch Petitionen, den „schrankenlosen Hausierhandel“ einzuschränken (allerdings vergeblich) oder eine „Milderung der Sonntagsruhe“ zu erreichen. Man richtete auch eine Gesellenhergebe ein, wo wandernde Handwerker kostenlos Unterkunft fanden. An einer Tafel vor der Herberge waren die Namen der Meister vermerkt, die Gesellen suchten.

10 Pfennig als Geschenk

Da trotz vieler Bemühungen die Neugründung von Innungen nur zögernd in Gang kam, beschloss man 1888, jedem mit Innungsausweis versehenen durchreisenden Gehilfen ein Geschenk von 10 Pfennig zu oferrieren – das war immerhin der Wert von etwa vier Semmeln.

Aus gesundheitlichen Gründen trat Anton de Crignis zurück, sein Stellvertreter Heinrich Mützel führte die Geschäfte bis 1887 weiter. Im Februar dieses Jahres fiel die Neuwahl auf Kaminkehrermeister Isidor Immler und im neuen Ausschuss wird bereits Heinrich Hummelberger tätig, der ab 1893 Vorstand werden sollte.

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1886 hat sich sodann der Gewerbeverband Schwabmünchen an der Großen Gewerbe- und Industrieausstellung in Augsburg beteiligt. Um eine „Milderung der Sonntagsruhe“ bemühte man sich vereint im Jahr 1892. Die Verkaufszeit sollte sich nicht auf fünf, sondern auf acht Stunden erstrecken!

Bestimmungen über die Sonntagsruhe und über Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung belasteten das Handwerk erheblich – so berichtet die Chronik von Oberlehrer Anton Glogger. Hausierer waren besonders am Sonntag unterwegs: „Tiroler, Krainer und Schweizer sind zur Landplage geworden“, wurde damals geklagt. In einer Petition wurde versucht, wenigstens die Ausländer vom Hausieren fernzuhalten. Erfolg war solchen Forderungen nicht beschieden, die soziale Sicherung von Mitarbeitern war im Industriestaat unabweisbar geworden.

Der im Jahr 1893 gewählte Vorstand Heinrich Hummelberger wurde 1899 von Wilhelm Mayr abgelöst.

Einen beachtlichen Aufschwung fand das Vereinsleben der Freien Innung der Gewerbetreibenden mit der 1900 erfolgten Erhebung Schwabmünchens zum Sitz des neuen Bezirksamtes. Das Jahr 1902 sah außer vier Ausschusssitzungen gleich zwei Generalversammlungen.

Die Gründung einer Handwerkergenossenschaft wurde ins Auge gefasst, eine Haftpflichtversicherung für Innungsmitglieder wurde beschlossen und der Handwerkertag in Neuburg besucht.

Nicht abgebildet: Isidor Immler – 1887-1890
Nicht abgebildet: Isidor Immler – 1887-1890
Neben einer solchen schon bestehenden gewerblichen Zeichenschule wurde nun auch ein Buchführungskurs eingeführt. Die Innung initiierte 1906 die Errichtung eines Gaswerks in Schwabmünchen – eine bessere Beleuchtung der Straßen erschien als unumgängliche Notwendigkeit. Zur Erleichterung der Fertigung von Steuererklärungen wurde ein Referent der Handwerkskammer gewonnen – solche Schriftstücke scheinen schon einiges an Kopfzerbrechen bereitet zu haben!

Mechanikermeister Schäfer regte 1913 die Gründung eines Autoverkehrs- Komitees an und mit Ausnahme von Langenneufnach nahmen alle Staudenorte diesen Vorschlag enthusiastisch auf – wie es in der Chronik heißt.

Bemerkenswerte Tätigkeit

Noch heute kann man sich ein Bild davon machen, wie kräftig die Entwicklung Schwabmünchens in der Zeit von der letzten Jahrhundertwende bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, also in knapp 15 Jahren, vorangeschritten ist. In dieser kurzen Zeitspanne wurden das Krankenhaus, das Dienstgebäude für das neue Bezirksamt, die Christuskirche, das Gaswerk mit der Straßenbeleuchtung, der Wasserturm mit der zentralen Wasserversorgung, der Pfarrhof an der Michaelskirche, das Postamt am Bahnhof und das Schulhaus an der Holzheystraße gebaut. Das Heimatmuseum wurde am 17. August 1913 eröffnet. Bemerkenswert war auch die private Bautätigkeit. Der Jugendstil hatte sich auch auf die Architektur ausgewirkt und ließ in Schwabmünchen – ohne seine verspielte Ornamentik – heute noch überzeugende Bauten entstehen wie etwa das Hotel Deutschenbaur, die Holzhey-Villa (Gartenstraße) und die Goßner-Villa (Bahnhofstraße).

Um diese Zeit muss eine verständliche Hochstimmung in Schwabmünchen geherrscht haben, der gerade die Freie Innung der Gewerbetreibenden einen sichtbaren Ausdruck verleihen wollte: Zum 30-jährigen Bestehen wurde die Durchführung einer Jubiläums-Gewerbeausstellung geplant. Mit dieser sollte eine landwirtschaftliche Kreisversammlung mit Bezirks-Tierschau, eine Obstbau- und Bienenzuchtausstellung sowie die Durchführung einer Fischerei-, einer Ziegen und einer Kaninchenausstellung verbunden sein.

Die neue Vorstandschaft der Werbegemeinschaft

Tatkräftig und umsichtig setzten die Vorbereitungen für all diese Veranstaltungen ein, mit welchen schließlich auch ein Volksfest verbunden sein sollte. Der Vorsitzende Schlossermeister Willy Mayr sandte die Einladungen hinaus, die einen kräftigen Widerhall weckten.

Jubiläumsevent abgesagt

Das farbig ausgeführte Festplakat schuf der Schwabmünchner Grafiker Alfons Fäustle, seinerzeit Studienrat in Forchheim. Dieses brachte selbstbewusst zum Ausdruck, wie man sich damals im Schwabmünchner Wirtschaftsleben fühlte. Die Jubiläumsveranstaltung war für die Zeit vom 19. bis zum 28. September 1914 geplant und vorbereitet. Sie konnte allerdings nicht stattfinden, denn der 1. August 1914 wurde der 1. Mobilmachungstag für den Ersten Weltkrieg. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt. Das ganze gewerbliche Leben fiel unter die Normen der Kriegswirtschaft.

Drechselmeister Konrad Schneider war 1922 Vorstand der Gewerbevereinigung geworden, Prüfungsvorsitzender Hans Maurer war im Jahr 1924 gestorben, an seine Stelle trat Engelbert Baur. Für die Firmierung wurde der Dreikönigs- tag 1928 gewählt: Auf Antrag des Kaufmanns Ludwig Schöffel wurde die Vereinigung nunmehr als „Freie Innung der Gewerbe- und Handeltreibenden“ benannt.

Die erste Hälfte der vermeintlichen „Goldenen Zwanziger“ war geprägt von Geldentwertung und Inflation. Kurz vor der Weltwirtschaftskrise, als sich die Verhältnisse etwas normalisiert hatten (1929) fand eine Bezirksausstellung mit umfangreichem Rahmenprogramm in Schwabmünchen statt. Die Freie Innung hatte auch in den folgenden Jahren immer die Aufgabe im Blick, Handwerk und Handel zu fördern. Und so führte man beispielsweise 1931 einen Viktualienmarkt ein.

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Gebührend gefeiert

Das Jahr 1933 brachte die „Gleichschaltung“, die Freie Innung zählte damals 107 Mitglieder. Zur letzten Ausschusssitzung am 26. April 1933 nahm der vollzählig erschienene Ausschuss teil – und trat zurück. Das 50-jährige Bestehen wurde trotz der politischen Veränderungen gebührend gefeiert. Auch wenn die angeordnete Gründung einer Kreishandwerkerschaft Schwabmünchen bei vielen der bisherigen Mitgliedern keinen Anklang fand, so war sie dennoch nicht zu verhindern.

Die Annalen setzten dann für zweieinhalb Jahrzehnte aus und Nationalsozialismus, Krieg sowie Nachkriegszeit belasten die Gewerbetreibenden hart. Von vielen Gebäuden, darunter natürlich auch Geschäften und Betrieben, bleiben außerdem beim Bombenangriff am 4. März 1945 nur Trümmer zurück.

Doch das Wirtschaftsleben begann sich mit der Währungsreform 1948 wieder zu entwickeln. Es herrschte Aufbruchsstimmung, überall wurde aufgeräumt und aufgebaut. Neue Ziele wurden gesetzt und eine Bürgerversammlung am 15. November 1952 beschloss, Schwabmünchens Erhebung zur Stadt anzustreben. Dies konnte im Juni des Folgejahres gefeiert werden.

Ein großer Erfolg war 1953 die 1000-Jahr-Feier, bei deren Vorbereitung Handel, Handwerk und Bürgerschaft einmal mehr Hand in Hand zusammenarbeiteten. Der Erfolg dieser Veranstaltung, zu der natürlich eine Gewerbeschau gehörte, rechtfertigte die gewaltigen Anstrengungen aller Beteiligten.

Schließlich wurde am 15. Juni 1960 der Ortsverband Schwabmünchen im Deutschen Gewerbeverband gegründet. Heinrich Hummelberger trat als Vorsitzender in die Fußstapfen seines Großvaters Karl, der dieses Amt von 1890 bis 1899 bei der Freien Innung bekleidet hatte. Hauptthemen der Sitzung waren unter anderem die Gewerbesteuer und die Forderung nach einem Freibetrag. Im Jahr 1962 beteiligte man sich an den Feierlichkeiten anlässlich 400 Jahre Markterhebung und die Gewerbetreibenden präsentierten sich. Im November 1965 wurde Wolfgang Uhl an die Spitze der Gewerbeverbandes gewählt. Immer wieder beschäftigte die ansässigen Unternehmen das Thema Abschaffung oder zumindest Ermäßigung der Gewerbesteuer. Eine Finanzreform 1970 brachte zumindest teilweisen Erfolg.

Hatte der Ortsverband im Jahr 1965 noch 60 Mitglieder, so stieg die Zahl bis 1968 auf bereits 97 an. Aufgrund seines fast beispiellosen Engagements wurde Wolfgang Uhl auch bei den kommenden Generalversammlungen immer wieder in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Während man die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes 1972 zum Schutz der Geschäftsleute vor Ort mit vereinten Kräften verhindern konnte, war der Protest gegen die Auflösung des Landkreises Schwabmünchen vergeblich.

Gründung der WG

Die Diskussion um die Einführung eines Frühjahrsmarktes tauchte schon 1975 auf. Die Fieranten, die den Herbstmarkt sehr schätzten, brachten diesen bei der Stadt ins Gespräch. Doch im Gewerbeverband wand man sich einer anderen, viel besseren Idee zu: Das Fühlingsfest wurde aus der Taufe gehoben. Dieses Fest wurde in seiner ersten Konzeption von einer am 29. Oktober 1975 gegründeten Werbegemeinschaft im Gewerbeverband beschlossen.

Prinzip dieser Gemeinschaft war und ist noch immer der Gedanke, dass in starker gemeinschaftswerbung am besten auf die günstigen Einkaufsmöglichkeiten inmitten der Stadt aufmerksam gemacht werden kann.

Für diese Gemeinschaft wurde ein eigener Etat eingeführt und ein von der Tageszeitung entworfenes Emblem geschaffen, das forthin die Gemeinschaft repräsentiert. Von nun an tritt in attraktiven Zeitungsbeilagen die WG bei gegebenen Anlässen an die Öffentlichkeit. Große Verkaufsnachlässe wie Ostern, Frühlingsfest, Jahrmarkt oder Weihnachten sprechen in dieser Gemeinschaftswerbung einen umfangreichen Kundenkreis an. Die erste große Werbeaktion in Tageszeitung und Geschäften startete zu Ostern 1976.

Eine Verlosungsaktion der WG während des Jahrmarkts 1976 brachte schöne Einkaufsgutscheine unter die Marktbesucher. Der Reinerlös der Aktion fiel der Jugendkapelle Schwabmünchen zu. Bald wird sich die WG mit all ihren Aktionen als nicht mehr wegzudenkende Einrichtung im kommunalen Leben erweisen.

1983 wurde das große Jubiläum gefeiert und auch im zweiten Jahrhundert seines Bestehens hat der Gewerbeverband mit der WG nichts von seiner Aktivität eingebüßt.

2004 folgte ein Wechsel an der Spitze: Dr. Paul Müller trat die Nachfolge von Wolfgang Uhl als Vorsitzender an. Und seit dem Jahr 2017 hat nun Michael Steger dieses Amt inne. Außerdem zählt die WG 125 Mitgliedsfirmen. (Archiv/ Werbegemeinschaft)

Öffnungszeiten

1977 fand erstmalig das Frühlingsfest statt und wird seitdem jährlich mit wechselndem Programm abgehalten. 
1977 fand erstmalig das Frühlingsfest statt und wird seitdem jährlich mit wechselndem Programm abgehalten. 

1982 startete der Hoigarten (Weihnachtsmarkt) beim Alten Rathaus mit zwölf, von der Vorstandschaft selbst gebauten Häusle. Später folgt der Umzug auf den Schrannenplatz und die Zahl der Buden wuchs bis auf 40 an.
1982 startete der Hoigarten (Weihnachtsmarkt) beim Alten Rathaus mit zwölf, von der Vorstandschaft selbst gebauten Häusle. Später folgt der Umzug auf den Schrannenplatz und die Zahl der Buden wuchs bis auf 40 an.
Die Werbegemeinschaft ist nicht mehr aus dem Schwabmünchner Leben wegzudenken. Im Laufe der langen Geschichte beteiligte sie sich tatkräftig an zahlreichen verschiedenen Veranstaltungen der Gemeinde und rief auch neue erst ins Leben. Hierbei zeichnete man sich stets durch Kreativität und Ideenreichtum aus.

1984 wurde die Muttertagsaktion ins Leben gerufen. 2003 sind dann die eigens kreierten Schokotrüffel eingeführt worden. Die Einkaufsgutscheine der WG wurden im Jahr 2000 mehr als erfolgreich eingeführt.

Das Weinfest mit zahlreichen geschmückten Buden und Ständen ist wie der „Schwabmünchner Sommer“ sehr beliebt.

Auch der Michaelimarkt blickt auf eine über 400-jährige Tradition zurück. Bürger aus nah und fern freuen sich auf diesen Markt, der das größte Jahresereignis in Schwabmünchen darstellt. 
Auch der Michaelimarkt blickt auf eine über 400-jährige Tradition zurück. Bürger aus nah und fern freuen sich auf diesen Markt, der das größte Jahresereignis in Schwabmünchen darstellt. 
Die Romantische Lichternacht findet zusätzlich zum Hoigarten statt.
Die Romantische Lichternacht findet zusätzlich zum Hoigarten statt.
Zu den schönsten Aktionen gehört mit Sicherheit die Weihnachtsbeleuchtung. Der erste Teilabschnitt sorgte ab 1982 für weihnachtliche Stimmung entlang der Fuggerstraße und seit 1997 und umfasst sie den gesamten Stadtkern.

Auch den Festakt zum 100-jährigen Jubiläum des Gewerbeverbandes darf man nicht vergessen. Er wird 1983 in der Mensa mit Festwoche und Ausstellungen zelebriert.

Und natürlich die erste orangeweiße Fahnengarnitur, welche 1992 angeschafft wird. Die neuen Fahnen in den Stadtfarben blaugelb mit dem Logo der „Einkaufsstadt Schwabmünchen“ sind seit 2001 zu sehen. (WG/sos)
Hörzentrum Böhler GmbH
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